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  • AutorenbildHelena

Die Selbst(er)findung - oder - wer bin ich wirklich?

Jeden Tag stehen wir auf, lassen unsere Morgenroutine laufen, bringen die Kinder in die Betreuung (sofern wir welche haben), gehen zur Arbeit, holen die Kinder ab, kommen nach Hause, kochen, essen, bringen das Haus in Ordnung und dann beginnt schon wieder die Abendroutine. Wie wir den Alltag drehen und wenden, haben wir am Ende des Tages doch nicht mehr Zeit um noch mehr zu machen oder andere Dinge hinzuzufügen. Jede weitere Aktivität kostet uns etwas mehr an Schlaf oder an anderen Dingen, wie z.B. dass dann die Wäsche nicht gemacht ist und wir uns damit am Wochenende beschäftigen müssen - also an Zeit, die uns dann woanders fehlt.

Wir sind also wortwörtlich Lost-In-Life - verloren im Leben.


 

Lost-In-Life

Die letzten Tage bin ich damit beschäftigt, Dinge zu organisieren, das Haus aufzuräumen, den Platz zu optimieren, es für alle einfacher zu gestalten, dabei aber noch meinen Job zu machen, mich um die Kinder kümmern, lernen, bloggen und das alles, obwohl ich nicht alleine bin. Genau daraus ist diese Seite hier entstanden. Nämlich dass ich und viele andere in meinem Umfeld sich in ihrem Leben selbst verloren haben. Die meisten von uns sind Lost-In-Life und beginnen ihre Suche nach sich selbst erst irgendwann über 30. Einige werden krank und wissen nicht warum. Andere merken dass sich alles plötzlich ganz unbequem anfühlt. Wieder andere wissen vor lauter Tun gar nicht mehr wo ihnen der Kopf steht.

Und irgendwie haben wir Eines alle gemeinsam. Dass wir nicht das Leben leben was uns wirklich erfüllt. Wir haben uns einfach selbst verloren. Irgendwann zwischen Einschulung und Beruf.

Schauen wir aber nach Außen, scheint es überall Menschen zu geben die wissen wie es wirklich geht. Es scheint als gäbe es überall Experten für jeden noch so kleinen Bereich und alle haben voll den Plan, alles ist super organisiert und wahrt den Schein. Doch ist es wirklich so? Funktioniert da draußen bei den anderen alles besser? Haben sie sich wirklich selber gefunden?

Es heißt, wir müssen noch besser organisiert sein oder wir müssen nur noch mehr planen oder nur noch mehr hiervon und nur noch mehr davon haben. Dann klappt es auch bei uns mit der Selbstfindung. Die Frage ist jedoch: Was wollen wir wirklich und wer sind wir wirklich?

Denn wir finden uns nicht mit Besitz oder der Optimierung unseres Lebens (was auch immer das heißen mag). Und ist es dann noch eine Selbstfindung oder schon eine Selbsterfindung?

 

Die Realität

Natürlich ist es so, dass, wenn wir sehr gut organisiert sind, alles super ordentlich ist und perfekt an unsere Bedürfnisse angepasst, dann schaffen wir mehr. Wir sind effektiver wenn die Dinge schnell gehen und haben vermeintlich mehr Zeit. Mir stellt sich bei all der Organisationswut trotzdem immer wieder die Frage: "Mehr Zeit wofür und müssen wir wirklich so viel?"

Fernsehen? Sport? Länger arbeiten um mehr Geld zu verdienen mit dem wir dann den nächsten Urlaub, auf den wir das ganze Jahr hinarbeiten, zu finanzieren?

Ein größeres, schnelleres Auto zu kaufen? Das nächste coole Teil was unsere Wohnung verschönert oder unsere Körper schmückt?

Denn im Grunde fängt dieser Kreislauf ja schon sehr früh an. Genau genommen im Kindergarten. Damit die Eltern arbeiten können. Danach geht es in die Schule und von dort aus in die Ausbildung, schlussendlich in den Beruf. Mit 16 oder mit 18 weiß kaum jemand wohin die Reise des Lebens gehen soll, doch wir sind permanent beschäftigt. So beschäftigt, dass die Meisten von uns irgendwann aufwachen und innerlich laut "STOP" schreien weil sie bemerken, dass irgendwas falsch läuft.


 

Wann sind wir dran? Die Wahrheit ist doch, dass uns am Ende niemand fragt, wie groß unser Haus war oder wieviele Stunden wir pro Woche gearbeitet haben. Es fragt uns auch niemand welchen BMI wir mit Mitte 30 hatten und ob wir uns mit Cellulite an den Strand unseres jährlichen Urlaubs getraut haben. Ob die Wohnung immer perfekt gewienert und die Einkäufe erledigt waren. Auch will niemand wissen welche Note wir in 8. Klasse in Englisch hatten oder ob wir Chemie gut fanden. Niemand wird wissen wollen ob wir all unsere Tätigkeiten die wir den ganzen Tag so zu erledigen hatten, geschafft haben.

Auf unserem Grabstein wird nicht stehen: Sie hat immer fleißig gearbeitet und der Boden war sauber - was wäre das denn auch für ein trauriger Satz.

Die Wahrheit ist viel mehr, dass wir am Ende darüber nachdenken was wir alles nicht geschafft haben obwohl wir es wollten, dass wir gefragt werden ob wir glücklich waren und ob wir aus reinem Herzen geliebt haben. Wir werden gefragt was unsere tollsten Erlebnisse waren und da wird sicher niemand antworten: "Es war mega, dass der Küchenboden immer so geblitzt hat wenn Besuch kam". Wir werden uns viel mehr daran erinnern, wie wir mit unseren Kindern ein wildes Waldabenteuer im Sommer erlebt haben oder dass wir einen Sonnenuntergang und einem Sonnenaufgang gesehen haben, weil wir mit der Liebe unseres Lebens die ganze Nacht am Strand saßen.

Wir werden uns an die schönen Momente erinnern und uns wünschen dass wir uns mehr Zeit für die wesentliche Dinge des Lebens genommen hätten. Also, wofür der ganze Stress?



 

Ziele und Antworten

Es geht mir gar nicht darum, dass jetzt jeder alles stehen und liegen lässt und die Welt bereist oder die Wohnung nicht mehr putzt oder, noch schlimmer, seine Körperhygiene vernachlässigt. Es soll auch niemand Hals über Kopf den Job schmeißen und ab Montag nicht mehr zur Arbeit gehen. Wir sind aber nicht unser sauberer Haushalt und auch nicht die freundliche Mitarbeiterin die ihre Arbeit immer pünktlich verrichtet und gerne Überstunden gemacht hat. Wir sind auch nicht die Mutter/Ehefrau/Partnerin die pünktlich das Abendessen auf den Tisch gebracht hat. Selbstfindung beginnt bei der inneren Stimme, also mehr nach Innen zu hören, sich zu fragen ob sich alles gerade richtig anfühlt oder ob wir nur Erwartungen von anderen erfüllen. Ob wir unser volles Potenzial leben oder den doofen 8-17 Uhr Job erledigen damit wir unsere Wohnung weiter finanzieren können und morgens mit dem Auto zur Arbeit fahren können.

Wir dürfen überlegen welche Routinen unsere eigenen sind und was wir alles von unseren Vorfahren übernommen, kopiert und einfach unbewusst so weiterführen. Wir können uns fragen:

"Welches Leben führe ich? "- "Was will ich wirklich?" - "Fühlt sich das hier richtig an?"

Wir werden eine Antwort erhalten, wenn wir genau hinhören.

 

Doch wie genau soll das gehen?

In den Zeiten wo wir inne halten und zur Ruhe kommen, haben wir die Möglichkeit unsere innere Stimme zu hören. Für den Ein oder Anderen mag das jetzt vielleicht komisch klingen, doch wir sind nicht im Hier und Jetzt um immer nur zu tun. In der Ruhe tanken wir Kraft, neue Ideen und Inspirationen. Wir werden auch mit Erinnerungen und Gefühlen konfrontiert die nicht so einfach sind, sie noch mal zu spüren. Wenn wir diesen Gefühlen Raum geben, sie spüren, vielleicht auch den Emotionen die währenddessen entstehen, leben, weinen, vielleicht sogar schreien, dann geben wir ihnen die Möglichkeit sich aufzulösen.

(Eine wunderbare Technik im Umgang mit starken Emotionen, sowie Schmerzen und Traumata ist die Mentalfeldtechnik - Blogbeitrag coming soon.)

Und genau dort entsteht ein Raum in dem Neues wachsen kann. Und wir wieder ein Stück zurück zu uns selber finden.


 

So oft liegen die Antworten direkt vor uns

Wenn wir erwarten, dass uns jemand förmlich ins Gesicht brüllt dass wir XY mit dem Beruf sind, ist das nicht so ganz das, was ich meine mit Selbstfindung oder Selbsterfindung. Es ist eher etwas subtiles, was leises, weiches, was sich offen in unserem Inneren anfühlt. Jeder von uns hat doch diese Momente in denen alles schwer ist aber wir nicht genau wissen wieso eigentlich. Wenn wir uns dann selber in einem ruhigen Moment die Frage stellen, was genau los ist, dass sich alles so kompliziert erscheint, erhalten wir ziemlich schnell eine Antwort. Es sind die kleinen Eingebungen, die kleinen Gefühle, etwas, was sich vielleicht für einen kurzen Moment offen, frei und richtig anfühlt. Oder aber eine Idee an die wir immer wieder denken müssen, weil sie uns begegnet, im TV, im Radio, auf Plakaten oder der Werbung im Supermarkt.

Dann sollten wir dem Ganzen etwas mehr Beachtung schenken, noch mehr fragen und für Antworten offen sein. So entsteht ganz langsam, Stück für Stück ein neuer Raum für neue Möglichkeiten.


Wenn du also das nächste Mal das Gefühl hast, es ist etwas nicht richtig, frage dich "Was soll das hier?" und lausche - und ab dort geht die Selbstfindung weiter oder beginnt, je nachdem wo du dich gerade befindest.





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